Das Ende einer Ära? Wie KI unsere WordPress-Seite in 48 Stunden ersetzte
Das Ende einer Ära? Wie KI unsere WordPress-Seite in 48 Stunden ersetzte
Stellen Sie sich vor, Sie ersetzen Ihre über Jahre gewachsene Unternehmenswebseite. Ein Projekt, das normalerweise Wochen oder Monate an Planung, Entwicklung und Testing in Anspruch nimmt. Wir haben diesen Schritt gewagt und ihn in weniger als 48 Stunden vollzogen. Angetrieben nicht von einem großen Entwicklerteam, sondern von einer Künstlichen Intelligenz.
Am 16. Januar 2026 starteten wir ein gewagtes Experiment: Kann Claude 4.5 Opus, eines der fortschrittlichsten Sprachmodelle, unsere komplette innFactory.de WordPress-Webseite neu aufbauen? Was als technischer Versuch begann, mündete am 18. Januar 2026 in einem vollständigen Go-Live. Das Ergebnis ist nicht nur eine neue Webseite, sondern ein Paradigmenwechsel, der die strategische Frage aufwirft: Läutet diese Entwicklung das Ende traditioneller Content-Management-Systeme wie WordPress ein?
In diesem Beitrag geben wir Ihnen einen exklusiven Einblick in den Prozess, die eingesetzte Technologie und die strategischen Vorteile, die wir realisieren konnten.
Der Prozess: Vom Strato vServer zum Go-Live in unter 48 Stunden
Der Kick-off war eigentlich nur als Proof-of-Concept gedacht. Im Sparring mit mir als Product Owner hat unser internes KI-Framework OpenCode, basierend auf Claude 4.5 Opus über github, die komplette Planung und Umsetzung übernommen. Die zentrale Herausforderung: eine voll funktionsfähige, performantere und zukunftssichere Webseite zu erstellen, ohne dabei unser wertvolles SEO-Ranking zu gefährden.
Unser Technologie-Stack für dieses Projekt ist radikal modern:
- Der KI-Partner: Claude 4.5 Opus, orchestriert durch unser Tool OpenCode, agierte als planender und umsetzender Co-Entwickler.
- Das Fundament (SSG): Hugo, ein blitzschneller Static Site Generator, wurde als Basis für die neue Seite gewählt.
- Die Infrastruktur (Cloud & Git): Wir migrierten von einem Strato vServer auf unser hochverfügbares Google Kubernetes Engine (GKE) Cluster und etablierten einen GitOps-Workflow über GitHub und GitHub Actions.
Der Prozess war erstaunlich effizient: OpenCode und Claude analysierten die bestehende Struktur, konzipierten die neue Architektur, schrieben den Code und migrierten die Inhalte. Eine der kritischsten Aufgaben – die Sicherung des SEO-Rankings – wurde ebenfalls von der KI übernommen. Claude durchsuchte eigenständig Googles Index nach all unseren alten URLs und erstellte ein lückenloses Set an 301-Redirects, um sicherzustellen, dass kein Link ins Leere läuft.
Die Kosten für diesen gesamten Prozess beliefen sich auf knapp 150 EUR für die Nutzung der von Claude über Github Copilot. Zwar erforderte die Steuerung des Prozesses meine Zeit als Product Owner, doch der Gesamtaufwand war unvergleichlich geringer als bei einem klassischen Rewrite.
Das Ergebnis: Eine strategische Neuausrichtung
Der Go-Live nach nur zwei Tagen war der Beginn einer neuen Realität für unsere Online-Präsenz. Die Verbesserungen waren sofort spürbar und gehen weit über ein simples Redesign hinaus.
Performance und SEO auf einem neuen Level
Dank der statischen Architektur von Hugo und dem Betrieb auf unserem GKE-Cluster mit Google CDN sind die Ladezeiten dramatisch gesunken. Die realen Zahlen aus Google PageSpeed Insights vom 18. Januar 2026 untermauern dies eindrucksvoll:
- First Contentful Paint: 0,3 s
- Largest Contentful Paint: 0,8 s
- Total Blocking Time: 0 ms
- Cumulative Layout Shift: 0.001
- Speed Index: 0,4 s
Diese perfekten Werte verbessern nicht nur die User Experience, sondern sind auch ein entscheidender Rankingfaktor für Suchmaschinen.
Abschied von CMS, Plugins und Cookie-Bannern
Die vielleicht größte Revolution findet hinter den Kulissen statt. Wir haben kein traditionelles CMS mehr. Es gibt keine WordPress-Logins, keine ständigen Plugin-Updates und keine Sicherheitslücken durch veraltete Erweiterungen.
- Management über Git: Inhalte und Code werden jetzt zentral über GitHub verwaltet.
- Keine Cookies, kein Banner: Dynamische Funktionen wie das Kontaktformular werden über eine schlanke, in Go geschriebene API abgewickelt, die auch unser Analytics-Tracking abstrahiert. Dadurch benötigen wir keine Cookies und somit auch keinen Cookie-Banner mehr.
- Globale Reichweite: Übersetzungen werden vollautomatisch durch KI-Agenten erstellt, was eine schnelle und kosteneffiziente globale Skalierung ermöglicht.
Ein MVP mit strategischem Ausblick
Wie in der agilen Softwareentwicklung üblich, betrachten wir die neue Webseite als ein Minimum Viable Product (MVP). Sie ist noch nicht zu 100 % perfekt – der ein oder andere Text wird in den kommenden Wochen noch geschärft. Doch sie ist bereits jetzt ein Quantensprung gegenüber der alten Seite und bietet die perfekte Grundlage für kontinuierliche Weiterentwicklung. Die Performance schlägt unsere alte Seite um Längen.
Wir werden nun in den nächsten Wochen Erfahrungen mit innfactory.de sammeln, bevor wir diesen bewährten Prozess auch auf unsere zweite Webseite, innfactory.ai, anwenden werden.
Traditionelles CMS vs. KI-gestützter Ansatz: Ein Vergleich
| Kriterium | Traditionelles CMS (z.B. WordPress) | KI-gestützter Static-Site-Ansatz (Unser Modell) |
|---|---|---|
| Performance | Moderat bis langsam, abhängig von Plugins & Hosting. | Extrem schnell (Lighthouse Score 100) durch statische Natur und CDN. |
| Sicherheit | Hoch, aber ständige Updates für Core, Themes & Plugins nötig. Hohe Angriffsfläche. | Maximal sicher. Keine Datenbank, keine serverseitige Code-Ausführung am Frontend. |
| Kosten | Lizenzkosten, Hosting, Entwickler für Anpassungen, Wartungsverträge. | Geringe API-Kosten für KI, Hosting auf bestehender Infrastruktur, minimaler Entwicklungsaufwand. |
| Wartungsaufwand | Hoch. Regelmäßige Updates, Backup-Management, Performance-Optimierung. | Minimal. Keine Updates, keine Plugins. Fokus liegt rein auf Inhalt und Code. |
| Content Management | Visueller Editor (WYSIWYG), einfach für Nicht-Techniker. | Code-basiert (Markdown in Git), effizient für Teams, volle Versionierung. |
| Flexibilität | Begrenzt durch das Ökosystem der Plugins. Anpassungen sind oft komplex. | Unbegrenzt. Reine Code-Basis ermöglicht jede erdenkliche Funktion über APIs. |
Fazit: Ein Blick in die Zukunft des Web-Developments
Ist WordPress also wirklich tot? Die Zeit wird zeigen, wie nachhaltig dieser KI-gestützte Ansatz in der Praxis funktioniert. Für uns, mit unseren klaren Anforderungen ohne komplexe E-Commerce-Funktionen wie einen Shop, ist das alte, monolithische CMS-Modell überholt.
Spannend bleibt die Entwicklung bei dynamischen Inhalten. Komplexere UIs und hochgradig interaktive Elemente sind mit Static Site Rendering traditionell schwieriger umzusetzen. Hier zeigt sich jedoch die Stärke der KI: Sie managt diese Komplexität zunehmend besser und macht auch anspruchsvolle Frontends realisierbar. Man muss zudem anerkennen, dass komplexe E-Commerce-Lösungen heute ohnehin vollwertige Softwareprojekte sind und nur noch wenig mit klassischem Webdesign zu tun haben.
Unser Experiment beweist: Die Kombination aus KI-Code-Generierung und modernen GitOps-Workflows ist nicht nur eine technische Spielerei, sondern ein handfester strategischer Vorteil.
Wollen Sie mehr über GitOps, GitHub oder den strategischen Einsatz von KI erfahren? Sprechen Sie uns oder die innFactory an. Gerne teilen wir unsere Erfahrungen. GitHub können Sie bei der innFactory über die Microsoft Partnerschaft beziehen und von unserem Know-how profitieren.
Tobias Jonas
Tobias Jonas, M.Sc. ist Mitgründer und Co-CEO der innFactory AI Consulting GmbH. Er ist ein führender Innovator im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Als Co-Founder der innFactory GmbH hat er hunderte KI- und Cloud-Projekte erfolgreich geleitet und das Unternehmen als wichtigen Akteur im deutschen IT-Sektor etabliert. Dabei ist Tobias immer am Puls der Zeit: Er erkannte früh das Potenzial von KI Agenten und veranstaltete dazu eines der ersten Meetups in Deutschland. Zudem wies er bereits im ersten Monat nach Veröffentlichung auf das MCP Protokoll hin und informierte seine Follower am Gründungstag über die Agentic AI Foundation. Neben seinen Geschäftsführerrollen engagiert sich Tobias Jonas in verschiedenen Fach- und Wirtschaftsverbänden, darunter der KI Bundesverband und der Digitalausschuss der IHK München und Oberbayern, und leitet praxisorientierte KI- und Cloudprojekte an der Technischen Hochschule Rosenheim. Als Keynote Speaker teilt er seine Expertise zu KI und vermittelt komplexe technologische Konzepte verständlich. Wer über die neuesten Entwicklungen im Bereich KI informiert bleiben möchte, sollte ihm auf LinkedIn folgen.

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