Zum Hauptinhalt springen
9 – 17 UHR +49 8031 3508270 LUITPOLDSTR. 9, 83022 ROSENHEIM
DE / EN

CompanyGPT vs. Google Gemini: KI im Workspace oder im eigenen Tenant?

Tobias Jonas Tobias Jonas | | 5 min Lesezeit

Wer Google Workspace einsetzt, bekommt Gemini seit Anfang 2025 in vielen Editionen ohne Zusatzlizenz mitgeliefert. Das ist bequem und für viele Anwendungsfälle völlig ausreichend.

Diese Seite hilft bei zwei Fragen, die in Projekten regelmäßig für Verwirrung sorgen: Welches Gemini-Produkt ist eigentlich gemeint? Und: Was genau sagt eine EU-Datenregion aus?

Erst einmal sortieren: drei Produkte, ein Name

Google hat sein Angebot mehrfach umgebaut, und die Begriffe werden im Markt durcheinandergeworfen. Für eine saubere Entscheidung lohnt die Unterscheidung:

ProduktWas es istAbrechnung
Gemini in Google WorkspaceKI-Funktionen in Gmail, Docs, Sheets, Slides, Meet und ChatIn den Business- und Enterprise-Editionen enthalten; die früheren Add-ons wurden Anfang 2025 eingestellt
Gemini Enterprise (App)Agentische Anwendung auf Google CloudLizenz je Nutzer, monatlich oder jährlich
Gemini Enterprise Agent PlatformDie Modellplattform, vormals Vertex AINach Verbrauch

Wenn im Gespräch „Gemini Enterprise" fällt, lohnt also die Rückfrage, welches der drei gemeint ist — die Antworten auf Datenresidenz und Kosten fallen unterschiedlich aus.

Der Punkt, auf den es ankommt: Speicherung ist nicht Verarbeitung

Google bietet Datenregionen an, und die decken laut Dokumentation sowohl Daten im Ruhezustand als auch die Verarbeitung ab. Der entscheidende Haken steckt in der Verfügbarkeit:

Datenregionen für Daten im Ruhezustand sind in vielen Editionen verfügbar. Die Option, auch die Verarbeitung an die gewählte Region zu binden, ist dagegen auf bestimmte Editionen beschränkt — Frontline Plus, Enterprise Plus und Enterprise Essentials Plus. Für Gemini-Funktionen speziell kamen Datenregionen erst im Juni 2025 dazu und richten sich an Enterprise-Plus-Kunden sowie die Assured-Controls-Add-ons.

Wer also eine Business-Standard-Edition nutzt und annimmt, damit sei die EU-Verarbeitung abgedeckt, liegt nach der Google-Dokumentation daneben.

Google formuliert außerdem eine Einschränkung, die man kennen sollte: Einige Workspace-Funktionen greifen auf Dienste zurück, die Daten global verarbeiten. Und Logs sowie zwischengespeicherte Inhalte fallen laut Dokumentation ausdrücklich nicht unter die Datenregionen.

Der Zielkonflikt, den Google offen dokumentiert

Das ist der ehrlichste und zugleich wichtigste Punkt dieser Seite, und er stammt aus Googles eigener Dokumentation.

In den erweiterten Einstellungen für Datenregionen können Administratoren wählen, ob Funktionen erlaubt sein sollen, die Daten über mehrere Regionen hinweg verarbeiten. Die Option „Funktionen aktivieren, die Daten über mehrere Regionen hinweg verarbeiten können" ist standardmäßig aktiviert.

Schaltet man sie ab, um EU-Verarbeitung zu erzwingen, entfallen laut Google-Dokumentation Funktionen — darunter Bildgenerierung und -bearbeitung, die Audio- und Podcast-Erstellung sowie Deep Research.

Es gibt also einen dokumentierten Zielkonflikt zwischen voller Funktionsvielfalt und strikter EU-Verarbeitung. Das ist keine Kritik an Google — es ist eine Entscheidung, die Sie bewusst treffen sollten, statt sie über eine Standardeinstellung mitzunehmen.

Ergänzend weist Google darauf hin, dass die Einstellungen zu Dateifreigabe und Datenregionen nicht für Daten in Gemini Notebook gelten.

Wie CompanyGPT die Frage anders stellt

Bei CompanyGPT ist die Frage nicht „Welche Einstellung erlaubt mir welche Funktion?", sondern „In welchem Tenant und in welcher Region soll das laufen?". Die Plattform wird in Ihrer eigenen Cloud aufgebaut — Azure, Google Cloud oder souverän auf STACKIT.

Wenn Sie Gemini-Modelle nutzen wollen, geht das über Ihren Google-Cloud-Tenant. Auf der Agent Platform binden Sie die Verarbeitung selbst an einen regionalen Endpunkt; für EU- und US-Regionen ist dort neben der Datenresidenz im Ruhezustand auch das Machine-Learning-Processing abgedeckt. Zu wissen ist: Einzelne Funktionen sind nur in der global-Region verfügbar, etwa Grounding mit der Google-Suche und die Videogenerierung.

Der wesentliche Unterschied ist damit weniger technischer als struktureller Natur: Sie setzen keine Richtlinie in einer fremden Verwaltungskonsole, sondern entscheiden im eigenen Tenant, welcher Endpunkt genutzt wird.

Vergleichstabelle

KriteriumGemini in Google WorkspaceCompanyGPT
BetriebsmodellGoogle-Cloud, vom Hersteller betriebenIm Cloud-Tenant des Kunden (Azure, Google Cloud oder STACKIT)
AbrechnungIn Business- und Enterprise-Editionen enthaltenWartungsvertrag, keine Pro-Kopf-Lizenz; Token zum Listenpreis des Cloud-Anbieters
EU-VerarbeitungEditionsabhängig; global verarbeitende Funktionen standardmäßig aktivÜber die Region des eigenen Tenants gesteuert
Funktionsverlust bei EU-ZwangLaut Google-Dokumentation entfallen u. a. Bildgenerierung, Audio-/Podcast-Erstellung und Deep ResearchNicht anwendbar — die Modellwahl erfolgt je Anwendungsfall
ModellauswahlGemini-FamilieFrei: Claude, GPT-, Gemini- und offene Modelle parallel
WissensbasisWorkspace-InhaltecompanyRAG über Ihre Dokumente, inklusive Abbildung der SharePoint-Berechtigungen
Office-IntegrationGoogle WorkspaceNatives Add-in über Office.js in Word, Excel, PowerPoint und Outlook
AutomatisierungGoogle-Ökosystemn8n und offenes Model Context Protocol (MCP)

Wann Gemini in Workspace die richtige Wahl ist

  • Ihr Unternehmen arbeitet vollständig in Google Workspace, und der Nutzen liegt genau in Docs, Sheets und Gmail.
  • Sie haben keine strikten Anforderungen an den Verarbeitungsort — oder Sie haben eine Edition, die EU-Verarbeitung abdeckt, und können auf die betroffenen Funktionen verzichten.
  • Sie brauchen keine Modellvielfalt über die Gemini-Familie hinaus.
  • Sie wollen keinen eigenen Betrieb aufsetzen.

Wann CompanyGPT die bessere Wahl ist

  • Wenn der Verarbeitungsort dokumentiert werden muss und Sie ihn nicht von einer Editionsstufe abhängig machen wollen.
  • Wenn Sie volle Funktionsvielfalt und EU-Verarbeitung gleichzeitig brauchen — durch Modellwahl je Anwendungsfall statt einer globalen Richtlinie.
  • Wenn Microsoft 365 ebenfalls im Haus ist und die Wissensbasis SharePoint-Berechtigungen abbilden muss.
  • Wenn Sie mehrere Modellfamilien parallel betreiben wollen.
  • Wenn Automatisierung über n8n und MCP in Fachprozesse gebracht werden soll.

Fazit

Gemini in Workspace ist ein starkes Angebot für Organisationen, die ohnehin bei Google arbeiten — und seit die Add-on-Lizenzen weggefallen sind, auch ein wirtschaftlich attraktives.

Genauer hinsehen sollte man bei zwei Punkten: welches der drei Gemini-Produkte tatsächlich gemeint ist, und ob die eigene Edition die EU-Verarbeitung abdeckt oder nur die Speicherung. Und wer strikte EU-Verarbeitung erzwingt, sollte wissen, welche Funktionen dabei laut Google entfallen.

Wenn Sie diese Punkte einmal sauber durchgehen wollen — auch mit dem Ergebnis, dass Workspace für Sie reicht — machen wir das gerne mit Ihnen.

Quellen

Alle Angaben zu Google stammen aus der Google-Dokumentation, abgerufen am 23. August 2026:

  • Daten, die von Datenregionen abgedeckt werden — https://knowledge.workspace.google.com/admin/compliance/data-covered-by-data-regions
  • Erweiterte Einstellungen für Datenregionen — https://knowledge.workspace.google.com/admin/compliance/set-up-advanced-settings-for-data-regions — zum Funktionsverlust bei erzwungener regionaler Verarbeitung
  • Datenregionen für Gemini-Funktionen — https://workspaceupdates.googleblog.com/2025/06/data-regions-support-for-gemini-features-in-google-workspace.html
  • Gemini-Funktionen in Workspace-Abos enthalten — https://knowledge.workspace.google.com/admin/gemini/gemini-ai-features-now-included-in-google-workspace-subscriptions
  • Gemini Enterprise — Lizenzen — https://docs.cloud.google.com/gemini/enterprise/docs/licenses
  • Gemini Enterprise Agent Platform — Standorte — https://docs.cloud.google.com/gemini/enterprise/docs/locations

Hinweis zu den Angaben: Alle Aussagen über Produkte anderer Anbieter beruhen auf deren öffentlich zugänglicher Dokumentation zum angegebenen Stand. Anbieter entwickeln ihre Produkte, Funktionen und Konditionen laufend weiter — maßgeblich sind stets die aktuellen Angaben des jeweiligen Anbieters. Sollte Ihnen eine Angabe veraltet oder unzutreffend erscheinen, schreiben Sie uns kurz an info@innfactory.ai; wir prüfen und korrigieren zeitnah. Dieser Vergleich ersetzt keine Rechts- oder Datenschutzberatung im Einzelfall.

Weiterführende Artikel

Tobias Jonas
Geschrieben von

Tobias Jonas

Co-CEO, M.Sc.

Tobias Jonas, M.Sc. ist Mitgründer und Co-CEO der innFactory AI Consulting GmbH. Er ist ein führender Innovator im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Als Co-Founder der innFactory GmbH hat er hunderte KI- und Cloud-Projekte erfolgreich geleitet und das Unternehmen als wichtigen Akteur im deutschen IT-Sektor etabliert. Dabei ist Tobias immer am Puls der Zeit: Er erkannte früh das Potenzial von KI Agenten und veranstaltete dazu eines der ersten Meetups in Deutschland. Zudem wies er bereits im ersten Monat nach Veröffentlichung auf das MCP Protokoll hin und informierte seine Follower am Gründungstag über die Agentic AI Foundation. Neben seinen Geschäftsführerrollen engagiert sich Tobias Jonas in verschiedenen Fach- und Wirtschaftsverbänden, darunter der KI Bundesverband und der Digitalausschuss der IHK München und Oberbayern, und leitet praxisorientierte KI- und Cloudprojekte an der Technischen Hochschule Rosenheim. Als Keynote Speaker teilt er seine Expertise zu KI und vermittelt komplexe technologische Konzepte verständlich.

LinkedIn