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CompanyGPT vs. Claude: Anthropic direkt oder über Ihren Cloud-Tenant?

Tobias Jonas Tobias Jonas | | 6 min Lesezeit

Diese Seite beantwortet eine Frage, die uns in Projekten regelmäßig gestellt wird: Wir nutzen Claude bereits und sind zufrieden — brauchen wir dann überhaupt eine Plattform darüber?

Die Antwort hängt weniger vom Modell ab als vom Bezugsweg. Claude ist in beiden Fällen dasselbe Modell. Was sich unterscheidet, ist, wer die Daten verarbeitet, wo das geschieht und wie abgerechnet wird.

Die zwei Wege im Kurzportrait

Claude direkt bei Anthropic (Team, Enterprise)

Sie schließen den Vertrag mit Anthropic und nutzen Claude über claude.ai, die Desktop-Apps oder die Anthropic-API. Die Oberfläche ist ausgereift, die Modelle sind am Tag des Erscheinens verfügbar, und die Einrichtung dauert Minuten. Anthropic ist dabei Ihr Verarbeiter.

Claude 3P über Ihren Cloud-Tenant

„3P" steht für Third-Party-Provider: Sie beziehen dieselben Claude-Modelle über AWS Bedrock, die Google Gemini Enterprise Agent Platform (vormals Vertex AI) oder Microsoft Foundry. Vertragspartner für die Verarbeitung ist dann der Cloud-Anbieter, mit dem Sie ohnehin schon einen AVV haben. CompanyGPT setzt als Plattform darauf auf und bringt Oberfläche, Rollen, Wissensbasis und Kostentransparenz mit.

Der entscheidende Unterschied: Wo werden die Daten verarbeitet?

Ein Auftragsverarbeitungsvertrag regelt, wer unter welchen Bedingungen verarbeitet. Er legt nicht automatisch fest, wo das geschieht. Genau an dieser Stelle unterscheiden sich die beiden Wege.

Beim Direktbezug ist Anthropic Ihr Verarbeiter. Welche Regionen für den Verarbeitungsort vertraglich zugesichert werden, klärt sich dabei im Enterprise-Vertrag — über die Third-Party-Provider ist die Region dagegen Teil des bestehenden Cloud-AVV. Für viele Anwendungsfälle ist beides unproblematisch. Sobald aber Berufsgeheimnisse, Personaldaten oder Mandantendaten im Spiel sind, wird der Verarbeitungsort zur dokumentationspflichtigen Frage — und dann ist ein Bezugsweg mit vertraglich zugesicherter EU-Region das deutlich einfachere Gespräch mit dem Datenschutzbeauftragten.

Über die Third-Party-Provider sieht die Lage differenziert aus, und die Unterschiede sind größer, als viele erwarten:

BezugswegRegionenAnmerkung
AWS BedrockIrland und Stockholm in-region; Frankfurt, Zürich, Paris, Madrid, Mailand, London über EU-Geo-Inference-ProfileFür Opus 5 ist Zero Data Retention auf Bedrock standardmäßig aktiv
Google Gemini Enterprise Agent PlatformFrankfurt und EU-Multi-RegionDer EU-Multi-Region-Endpoint bleibt innerhalb der EU-Geografie; die Preisliste weicht von der globalen ab
Microsoft FoundrySweden Central, Global-Standard-RoutingStand 22. August 2026 kein EU-Data-Zone-Deployment — die Verarbeitung ist dort nicht auf die EU beschränkt. Microsoft kündigt „Foundry in Europe" für 2026 an

Wer also strikte EU-Residenz braucht, sollte derzeit Bedrock oder die Google-Plattform wählen. Auf Foundry ist sie für Claude nach der dort dokumentierten Regionsverfügbarkeit (Stand 22.08.2026) noch nicht abgebildet, auch wenn die Modelle im Katalog stehen.

Ein Detail, das oft übersehen wird: die Datenspeicherung je Modell

Die Retention-Regeln unterscheiden sich innerhalb der Claude-Familie, und das ist für regulierte Branchen der wichtigste Punkt dieser Seite:

Nach Anthropics Angaben zur Datenspeicherung (Stand August 2026):

  • Claude Opus 5 ist als Zero-Data-Retention-Modell verfügbar; auf Bedrock ist ZDR standardmäßig aktiv.
  • Claude Fable 5 unterliegt einer 30-tägigen Retention und ist dort nicht unter Zero Data Retention aufgeführt — auch nicht für EU-Endpunkte.

Für Workflows mit besonderer Geheimhaltungspflicht — Kanzleien, Kliniken, Steuerberatung, §-203-StGB-Kontexte — empfehlen wir deshalb Opus 5 und setzen Fable 5 nur dort ein, wo die 30-Tage-Speicherung dokumentiert vertretbar ist. Diese Unterscheidung fällt in einer Oberfläche, die einfach nur „Claude" anbietet, schlicht unter den Tisch.

Was der Bezugsweg für die Kosten bedeutet

Hier gehört ein ehrliches Wort hin, weil die Rechnung nicht in jede Richtung günstiger ausfällt.

Ein Abo wird pro Nutzer und Monat abgerechnet. Der Third-Party-Bezug wird pro Token abgerechnet, zum Listenpreis des jeweiligen Hyperscalers. Nach unserer Erfahrung aus Kundenprojekten liegen die Token-Kosten bei intensiver Nutzung der starken Modelle spürbar über dem, was ein Abo pro Kopf kostet — Claude 3P ist also nicht automatisch der günstigere Weg.

Genau deshalb halten wir die Kombination für sinnvoll und nicht die Entweder-oder-Entscheidung: CompanyGPT als Basis mit Multi-Modell-Routing, Claude 3P für die Fälle, die Claude wirklich brauchen. Die meiste Alltagsarbeit — Zusammenfassungen, Übersetzungen, Standardauskünfte aus der Wissensbasis — läuft günstiger auf kleineren oder offenen Modellen. Die anspruchsvollen Aufgaben routen Sie auf Claude. Damit das steuerbar bleibt, zeigt companyDASHBOARD Verbrauch und Kosten je Nutzer, Team und Modell.

Bei uns werden die Token übrigens zum Listenpreis des Hyperscalers abgerechnet, ohne Aufschlag durch innFactory. Sie zahlen für die Plattform, nicht für die Modelle.

Was Ihnen der Direktbezug nicht liefert

Anthropic liefert ein exzellentes Modell und eine gute Oberfläche für Einzelarbeit. Was in Unternehmen darüber hinaus gebraucht wird, ist nicht Teil des Modells — und genau diese Schicht bringt CompanyGPT mit:

  • Zentrale Wissensbasis über Ihre Dokumente mit companyRAG, inklusive Abbildung der SharePoint-Berechtigungen
  • Rollen und Zugriffsrechte entlang Ihrer Organisationsstruktur statt pro Einzelkonto
  • Office-Add-in aus companyM365: CompanyGPT als Aufgabenbereich direkt in Word, Excel, PowerPoint und Outlook — ohne Copilot-Lizenz pro Nutzer
  • Modellvielfalt: Claude, GPT-, Gemini- und offene Modelle parallel, je Anwendungsfall geroutet
  • Workflow-Automation über n8n und das offene Model Context Protocol
  • Kosten- und Nutzungstransparenz über companyDASHBOARD
  • Betrieb im eigenen Cloud-Tenant, wahlweise Azure, Google Cloud oder souverän auf STACKIT

Wann der Direktbezug die richtige Wahl ist

Wir sagen offen, wann Sie keine Plattform brauchen:

  • Kleine Teams ohne besondere Compliance-Anforderungen. Wer zu fünft an unkritischen Inhalten arbeitet, fährt mit einem Abo schneller und einfacher.
  • Reine Entwicklerteams, die ohnehin über die API arbeiten und keine Oberfläche für Fachbereiche brauchen.
  • Wenn es ausschließlich um Claude geht und Modellvielfalt keine Rolle spielt.

Sobald jedoch mehrere Abteilungen beteiligt sind, Unternehmenswissen eingebunden werden soll, der Verarbeitungsort dokumentiert werden muss oder mehrere Modelle sinnvoll sind, kippt die Rechnung zugunsten der Plattform.

Fazit

Es geht nicht um Claude gegen CompanyGPT — CompanyGPT betreibt Claude. Die Frage ist, ob Sie das Modell direkt beim Hersteller beziehen oder über Ihren eigenen Cloud-Tenant, und welche Schicht Sie darüber brauchen.

Für Unternehmen mit dokumentationspflichtigen Daten ist der Weg über einen Third-Party-Provider in einer EU-Region der belastbarere. Für Unternehmen mit mehreren Abteilungen und gemischten Anwendungsfällen kommt die Plattformschicht dazu. Und weil Token nicht billig sind, ist die wirtschaftlich vernünftige Variante meist die Kombination: die Alltagslast auf günstigeren Modellen, Claude dort, wo es den Unterschied macht.

Quellen

Abgerufen am 23. August 2026:

  • Anthropic: Zero Data Retention und Modellverfügbarkeit — https://support.claude.com/en/articles/15425996
  • Claude on Amazon Bedrock — https://docs.aws.amazon.com/bedrock/latest/userguide/models-supported.html
  • Gemini Enterprise Agent Platform — Standorte — https://docs.cloud.google.com/gemini/enterprise/docs/locations
  • Microsoft Foundry — Regionsverfügbarkeit — https://learn.microsoft.com/en-us/azure/foundry/foundry-models/concepts/models-sold-directly-by-azure-region-availability

Hinweis zu den Angaben: Alle Aussagen über Produkte anderer Anbieter beruhen auf deren öffentlich zugänglicher Dokumentation zum angegebenen Stand. Anbieter entwickeln ihre Produkte, Funktionen und Konditionen laufend weiter — maßgeblich sind stets die aktuellen Angaben des jeweiligen Anbieters. Sollte Ihnen eine Angabe veraltet oder unzutreffend erscheinen, schreiben Sie uns kurz an info@innfactory.ai; wir prüfen und korrigieren zeitnah. Dieser Vergleich ersetzt keine Rechts- oder Datenschutzberatung im Einzelfall.

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Tobias Jonas
Geschrieben von

Tobias Jonas

Co-CEO, M.Sc.

Tobias Jonas, M.Sc. ist Mitgründer und Co-CEO der innFactory AI Consulting GmbH. Er ist ein führender Innovator im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Als Co-Founder der innFactory GmbH hat er hunderte KI- und Cloud-Projekte erfolgreich geleitet und das Unternehmen als wichtigen Akteur im deutschen IT-Sektor etabliert. Dabei ist Tobias immer am Puls der Zeit: Er erkannte früh das Potenzial von KI Agenten und veranstaltete dazu eines der ersten Meetups in Deutschland. Zudem wies er bereits im ersten Monat nach Veröffentlichung auf das MCP Protokoll hin und informierte seine Follower am Gründungstag über die Agentic AI Foundation. Neben seinen Geschäftsführerrollen engagiert sich Tobias Jonas in verschiedenen Fach- und Wirtschaftsverbänden, darunter der KI Bundesverband und der Digitalausschuss der IHK München und Oberbayern, und leitet praxisorientierte KI- und Cloudprojekte an der Technischen Hochschule Rosenheim. Als Keynote Speaker teilt er seine Expertise zu KI und vermittelt komplexe technologische Konzepte verständlich.

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