AI Harnesses sind die Software um ein Sprachmodell herum, die es arbeitsfähig macht. OMP – kurz für oh-my-pi – ist ein solcher Harness: ein quelloffener Coding-Agent von Can Bölük, der laut eigener Dokumentation als Fork von Pi entstanden ist und dessen schlanken Kern um zahlreiche eingebaute Funktionen erweitert. Lizenziert unter MIT, verfügbar für macOS, Linux und Windows, bindet OMP über 60 Modell-Provider an einen Werkzeugsatz mit LSP-, Debugger- und Sub-Agenten-Unterstützung. Stand: 20. September 2026.
Was ist OMP?
OMP wird laut Repository von Can Bölük entwickelt, einem Sicherheitsforscher, der auch unter Stencil Labs, Inc. firmiert; die Projektseite ist omp.sh. Die Dokumentation beschreibt OMP ausdrücklich als Fork von Pi „by Mario Zechner", „rewritten as a coding-first surface". Installiert wird OMP unter macOS und Linux über curl -fsSL https://omp.sh/install | sh, über Homebrew mit brew install can1357/tap/omp, über Bun mit bun install -g @oh-my-pi/pi-coding-agent, über Nix oder unter Windows per PowerShell mit irm https://omp.sh/install.ps1 | iex. Der Befehl omp startet danach die interaktive Terminal-Oberfläche.
Der Quellcode liegt unter der MIT-Lizenz im Repository can1357/oh-my-pi; vendorisierte Drittkomponenten wie der eingebettete Bash-Fork stehen laut Dokumentation unter ihrer jeweils eigenen Lizenz.
OMP als AI Harness
OMP setzt die sieben Bausteine deutlich umfangreicher um als der Pi-Kern, von dem es abstammt. Die Agentenschleife routet jeden Turn über bis zu neun Modellrollen – default, smol, slow, plan, commit, vision, task, advisor und tiny – und lässt den Agenten über die Funktion ask strukturierte Rückfragen stellen. Über 30 eingebaute Werkzeuge decken Dateizugriff, strukturierte Bearbeitung (edit, ast_edit), Shell (bash), Codeintelligenz (lsp, debug), Websuche, Browser- und Desktop-Steuerung sowie Koordination (task, hub) ab; nach eigenen Angaben laufen viele dieser Werkzeuge als native Rust-Module im Prozess statt über externe Programme.
Beim ersten Start liest OMP laut Dokumentation bestehende Regeln, Skills und MCP-Server-Konfigurationen aus den Verzeichnissen anderer verbreiteter Coding-Agenten – etwa aus .claude, .cursor, .windsurf, .gemini, .codex, .cline, .github/copilot und .vscode – ein, ohne dass eine Migration nötig ist. Für Sub-Agenten fächert das Werkzeug task Arbeit in isolierte Arbeitskopien auf; der Agent Hub (Tastenkürzel Alt+A) zeigt Status, Kosten und Transkript jedes Sub-Agenten. Ein Speichersystem mit den Funktionen retain, recall, reflect und memory_edit pflegt projektbezogenes Wissen über Sitzungen hinweg.
Modelle und Modellzugang
OMP nennt in der Dokumentation über 60 Provider, gegliedert in Frontier-APIs, Coding-Plan-Abonnements und selbst betriebene Endpunkte – relevant unter anderem für Claude, GPT und Grok. Neun Rollen routen unterschiedliche Arbeit an unterschiedliche Modelle; der Befehl /model wechselt das aktive Modell mitten in der Sitzung.
Eigene OpenAI-kompatible Provider werden laut Dokumentation in der Datei ~/.omp/agent/models.yml mit baseUrl, api: openai-completions und apiKey definiert; die Standardrolle lässt sich anschließend in ~/.omp/agent/config.yml unter modelRoles.default festlegen. Damit lässt sich OMP über das AI Gateway betreiben, indem das Gateway als benutzerdefinierter Provider in dieser Datei eingetragen wird.
Einsatz im Unternehmen: Datenschutz und Governance
OMP läuft laut Dokumentation im eigenen Terminal oder Editor und verbindet sich direkt mit dem gewählten Modell-Provider oder einem selbst betriebenen Endpunkt; ein zusätzlicher Cloud-Zwischenschritt des Projekts selbst ist nicht beschrieben. Pfadgebundene Konfigurationseinträge (path:) erlauben es, erlaubte oder gesperrte Modelle je Repository festzulegen, ohne die globale Konfiguration zu ändern. Das Paket omp-stats liefert ein lokales Dashboard für die eigene KI-Nutzung statt einer Telemetrie an den Hersteller. Läuft OMP über das Agent Client Protocol in einem Editor wie Zed, pausieren destruktive Werkzeuge laut Dokumentation für eine Berechtigungsanfrage; im eigenständigen Terminal-Modus ist kein eigenes Berechtigungssystem dokumentiert.
Auch hier gilt: Quellcode, Dateiinhalte und Prompts gehen an den jeweils gewählten Modellanbieter – das gehört vorab in das Verarbeitungsverzeichnis Ihres Unternehmens, unabhängig davon, welcher der über 60 Provider zum Einsatz kommt.
OMP mit herdr orchestrieren
Die herdr-Dokumentation führt OMP als unterstützten Agenten mit Lifecycle-Hooks, sofern die Integration installiert ist; darüber liest herdr sowohl Zustand als auch Session-Informationen aus. Nach einem Server-Neustart kann herdr eine OMP-Sitzung laut Dokumentation über den Befehl omp --resume wiederherstellen.
Einordnung: Entwickler-Harness und Unternehmens-Harness
OMP ist – wie Pi, von dem es abstammt – ein Harness für Entwickler im Terminal oder Editor, nicht für Fachanwender im Unternehmen. Für diese Zielgruppe übernimmt CompanyGPT die Rolle des Harness: Werkzeuge für Fachsysteme, Kontext aus Unternehmenswissen und rollenbasierte Berechtigungen statt Terminal und Repository. Das AI Gateway bildet die gemeinsame Kosten- und Governance-Schicht, über die sich sowohl OMP als auch CompanyGPT an zentral verwaltete Modellzugänge anschließen lassen. Weitere Coding- und Orchestrierungs-Harnesses finden Sie in unserer Harness-Übersicht. Wir unterstützen Sie dabei, Harnesses wie OMP sauber an Ihr Berechtigungskonzept, Ihr Modell-Routing und Ihre Governance-Anforderungen anzubinden.
