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Einsatz von KI trotz Berufsgeheimnis und Schweigepflicht

Fabian Artmann Fabian Artmann | | 4 min Lesezeit

Klinikgruppen stehen heute vor einer klaren Realität: Der Bedarf an KI ist aufgrund Personalknappheit und Budget hoch, die regulatorischen Anforderungen ebenfalls. Während normale Unternehmen datenschutzkonforme KI-Tools nutzen können, müssen Berufsgeheimnisträger erhöhte Anforderungen sicherstellen, um KI im Klinikalltag nutzen zu können.

Genau darin liegt keine Blockade, sondern eine Chance. Wer § 203 StGB, Berufsrecht, DSGVO in seiner KI-Governance von Anfang an mitdenkt, kann KI sicher, berufskonform und produktiv in den Klinikalltag bringen.

§ 203 StGB und Schweigepflicht im Krankenhaus

Während normale Unternehmen beim Einsatz von nicht datenschutzkonformen KI-Tools Datenschutzrecht verletzen, machen sich Ärzte zusätzlich strafbar, indem sie § 203 StGB verletzen. Dieser stellt die Verletzung von Privatgeheimnissen unter Strafe für bestimmte Berufsgruppen, zu denen auch Ärzte gehören. Nach § 203 Abs. 1 StGB macht sich ein Arzt, der unbefugt ein fremdes Geheimnis offenbart, das ihm als Arzt anvertraut worden ist oder sonst bekannt geworden ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe strafbar.

Diese strafrechtliche Verpflichtung wird komplettiert durch die Berufsordnungen der Ärzte. Diese für die jeweiligen Landesärztekammern jeweils unterschiedlichen Berufsordnungen sehen alle die Schweigepflicht vor (so zum Beispiel § 9 der Berufsordnung für die Ärzte Bayerns). Ein Verstoß gegen § 203 StGB beim Einsatz von KI stellt also zugleich einen Berufsrechtsverstoß dar.

Das heißt in der Praxis: Kliniken brauchen ein Setup, das juristisch belastbar und technisch kontrollierbar ist. Genau hier setzen moderne Enterprise-Architekturen an — nicht mit Verzicht auf KI, sondern mit klaren Leitplanken für den Einsatz.

Azure im Gesundheitswesen: Mit § 203 StGB-Zusatzvereinbarung rechtssicher umsetzbar

Für viele Klinikgruppen ist Microsoft Azure bereits die etablierte Cloud-Basis: Häufig nutzen sie bereits Microsoft 365 für E-Mails, Kalender, Dateien und Teams. Neben den technischen Vorteilen von Skalierbarkeit, Integrierbarkeit und der technischen Beherrschbarkeit können § 203 StGB-Anforderungen damit auch im KI-Bereich genutzt werden.

Entscheidend ist, dass die § 203-Anforderungen nicht „mitgedacht", sondern explizit vertraglich und organisatorisch umgesetzt werden. Dazu gehört insbesondere eine § 203 StGB-Zusatzvereinbarung mit Microsoft. Anders als viele andere Cloudbetreiber bietet Microsoft eine solche an. In Kombination mit einer klaren Governance ist Azure damit eine vollständig tragfähige Grundlage für KI im Klinikbetrieb.

Anders gesagt: § 203 StGB ist kein Argument gegen Azure. § 203 StGB ist ein Argument für eine professionelle Azure-Implementierung.

CompanyGPT im eigenen Azure-Tenant: die Architektur, die Klinikgruppen brauchen

CompanyGPT wird in der eigenen Azure-Subscription der Klinikgruppe betrieben. Damit bleiben Kontrolle, Governance und Betriebsverantwortung dort, wo sie hingehören: bei der Organisation selbst.

Das bedeutet konkret:

  • Eigener Tenant, eigene Regeln: Identitäten, Rollen und Zugriffe werden nach Klinikstandorten, Fachbereichen und Prozessen gesteuert.
  • Vertrags- und Technik-Setup aus einem Guss: § 203 StGB-Zusatzvereinbarung greift auch bei der Nutzung von KI.
  • Skalierbarkeit für Klinikgruppen: Ein zentraler Standard, ausrollbar auf mehrere Häuser und Teams.
  • Sichere Produktivität im Alltag: KI-Use-Cases werden nicht in Schatten-IT verlagert, sondern kontrolliert in bestehende Abläufe integriert.

Genau mit dieser Architektur arbeiten bereits Klinikgruppen erfolgreich in der Praxis.

Warum das für große Klinikgruppen besonders wichtig ist

Bei mehreren Standorten steigen die Anforderungen an Governance, Schulung und Betrieb stark an. Ohne zentralen Ansatz entstehen Insellösungen, unterschiedliche Sicherheitsniveaus und vermeidbare Risiken.

CompanyGPT schafft hier einen einheitlichen Rahmen: gemeinsame Policies, klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Prozesse — und trotzdem genug Flexibilität für unterschiedliche medizinische Fachbereiche.

Auch wirtschaftlich ist das relevant. Wie wir im Vergleich mit anderen KI-Plattformen gezeigt haben, profitieren größere Organisationen besonders von einem Architekturansatz, der nicht auf starre Per-User-Modelle reduziert ist.

KI-Kompetenz nach Art. 4 KI-VO: Umsetzung statt Pflichtübung

Rechtssicherheit endet nicht bei Verträgen und Infrastruktur. Kliniken brauchen Teams, die KI verantwortungsvoll einsetzen können.

Art. 4 KI-VO macht diese Kompetenz zur klaren Betreiberpflicht. Für Klinikgruppen heißt das: Schulungen, dokumentierte Prozesse und ein sauberer Umgang mit KI-Ausgaben müssen organisatorisch verankert werden.

Wie wir in unserem Beitrag zur KI-Kompetenz erläutern, ist das kein bürokratischer Zusatz, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für sichere KI-Einführung. Passend dazu bieten wir spezialisierte KI-Schulungen und unterstützen bei der Frage, wann ein KI-Beauftragter sinnvoll ist.

Typische Anwendungsfälle in der Klinikpraxis

Mit einer sauber aufgesetzten Architektur können Klinikgruppen KI dort nutzen, wo sie den größten Effekt hat:

  • Arzt- und Entlassungsbriefe schneller und strukturierter erstellen
  • Dokumentation und Befundtexte qualitativ konsistent unterstützen
  • ICD-10/OPS-Kodierung vorbereiten und effizienter prüfen
  • Klinische Recherche für Teams schneller zugänglich machen
  • Interne Kommunikation und QM-Dokumente standardisiert aufbereiten

So entsteht ein belastbarer KI-Betrieb, der medizinische Teams entlastet und gleichzeitig Compliance-Anforderungen erfüllt.

Fazit

§203 StGB ist für Kliniken ein echtes Thema — aber kein Hindernis für KI. Mit der richtigen Architektur ist die Anforderung lösbar und operativ beherrschbar.

Der praxiserprobte Weg für Klinikgruppen ist klar: CompanyGPT im eigenen Azure-Tenant, kombiniert mit einer § 203 StGB-Zusatzvereinbarung mit Microsoft und einer strukturierten KI-Governance.

Wenn Sie KI in Ihrer Klinikgruppe strategisch, rechtssicher und skalierbar einführen möchten, unterstützen wir Sie von der Einordnung über die technische Umsetzung bis zur Qualifizierung Ihrer Teams.


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Fabian Artmann
Geschrieben von

Fabian Artmann

Co-CEO, M.Eng.

Fabian Artmann, M.Eng. ist Mitgründer und Co-CEO der innFactory AI Consulting GmbH. Als Wirtschaftsingenieur vereint Fabian Artmann technisches Know-how mit wirtschaftlichem Verständnis und prozessorientiertem Denken. Als KI-Berater hat er sich darauf spezialisiert auf Basis des innFactory AI Innovation Cycle Ineffizienzen in bestehenden Abläufen zu identifizieren, Veränderungsprozesse zu strukturieren, Mitarbeiter einzubinden und dafür zu sorgen, dass die neuen KI-Technologien nahtlos in die optimierten Geschäftsprozesse integriert werden können. Fabian Artmann verfügt über eine breite Expertise an den Schnittstellen zwischen Technologie, Projektmanagement und Geschäftsprozessen. Im Rahmen seiner beruflichen Laufbahn durfte Fabian Artmann bereits Digitale Projekte für die BMW Group, IWC Schaffhausen sowie MTU Aero Engines umsetzen.

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