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Claude 3P: Claude Cowork & Claude Code datenschutzkonform mit CompanyGPT

Tobias Jonas Tobias Jonas | | 9 min Lesezeit

Anthropics neue Desktop- und Agent-Apps verändern, wie Wissensarbeit am Arbeitsplatz entsteht. Im Zentrum stehen Claude Cowork und Claude Code – die beiden Tabs der Claude-Desktop-App, die nicht nur antworten, sondern eigenständig arbeiten. Für deutsche und europäische Unternehmen stellt sich sofort die entscheidende Frage: Lassen sich diese Client-Apps DSGVO-konform betreiben, ohne dass Unternehmensdaten unkontrolliert abfließen?

Die Antwort heißt Claude 3P (Third Party) – und für CompanyGPT-Kunden ist sie besonders einfach. Denn die Cloud-Basis, die Claude 3P braucht, haben sie längst aufgebaut. In Kombination mit CompanyGPT als governter Org-Plattform entsteht daraus ein Setup, das Einzelplatz-Produktivität und unternehmensweite Kontrolle verbindet.

Was ist Claude 3P (Third Party)?

Claude 3P ist ein Betriebsmodus von Claude Desktop, bei dem die gesamte Modell-Inferenz über einen von Ihnen konfigurierten Provider läuft – statt über den Consumer-Endpunkt von Anthropic. „3P" steht für Third-Party Provider. Anthropic dokumentiert dafür mehrere Wege:

  • Google Cloud Vertex AI
  • Amazon Bedrock
  • Microsoft Foundry (Preview)
  • Eigenes Gateway – jedes kompatible Gateway, das Sie selbst betreiben
  • Anthropic-API direkt als zusätzliche Option

Entscheidend ist: Sowohl der Cowork-Tab als auch der Code-Tab funktionieren über Claude 3P identisch zur Standardversion. Sie behalten die volle agentische Cowork-Erfahrung – Dateierstellung, mehrstufige Recherche, Sub-Agenten-Koordination, den Code-Tab – während Inferenz und Abrechnung über den Provider Ihrer Wahl laufen. Die Anfragen gehen dabei direkt vom Rechner des Nutzers an den regionalen Endpunkt, den Sie konfigurieren. Vertex AI und Bedrock unterstützen EU-Regionen, und Sie können pro Region eigene MDM-Konfigurationsprofile ausrollen, sodass jede Nutzergruppe auf einen In-Region-Endpunkt zeigt.

Was ist Claude Cowork – und was Claude Code?

Cowork ist Anthropics agentische Desktop-App für Wissensarbeit. Anders als der klassische Chat führt Cowork mehrstufige Aufgaben selbstständig aus. Sie geben Claude Zugriff auf einen bestimmten Ordner und formulieren ein Ziel in natürlicher Sprache. Cowork plant die Schritte und arbeitet sie ab: Belege aus Fotos in eine Spesenabrechnung übertragen, aus Interviewnotizen eine Zusammenfassung schreiben, ein chaotisches Verzeichnis aufräumen. Anthropic hat Cowork im Januar 2026 als Research Preview gestartet, zunächst auf macOS, kurz darauf mit Funktionsparität auf Windows. Verfügbar ist die App auf allen bezahlten Plänen.

Claude Code ist der zweite Tab derselben Desktop-App und richtet sich an Entwicklungs- und Engineering-nahe Aufgaben: Code lesen, schreiben und refaktorieren, in Repositories arbeiten, Tests ausführen. Beide Tabs greifen über Claude 3P auf denselben konfigurierten Endpunkt zu.

Genau hier liegt für Unternehmen das Spannungsfeld. Ein Agent, der auf lokale Dateien und Repositories zugreift und mehrstufig arbeitet, ist enorm produktiv. Gleichzeitig braucht er eine klare Antwort auf die Frage, wohin die Inferenz geht und welche Daten dabei welchen Endpunkt erreichen.

Der entscheidende Punkt: App am Arbeitsplatz, Inferenz über Ihren EU-Endpunkt

In einem früheren Beitrag haben wir erklärt, dass Claude über AWS Bedrock oder Vertex AI Ihnen das Modell liefert, aber nicht die App, die Sie von claude.ai kennen. Mit Cowork und Code über Claude 3P verschiebt sich dieses Bild: Jetzt ist die App da – und sie lässt sich an einen souveränen Endpunkt koppeln.

Technisch wird ein Provider mit Region, Modell-ID und Authentifizierung hinterlegt (inferenceProvider: vertex, bedrock, gateway, foundry oder anthropic). Diese Konfiguration setzt nicht jeder Nutzer einzeln, sondern die IT verteilt sie zentral als MDM-Profil über Microsoft Intune, Jamf, Workspace ONE oder Group Policy. Für EU-Unternehmen entstehen daraus drei souveräne Wege:

  • AWS Bedrock in EU-Regionen. Authentifizierung über AWS IAM oder einen Bedrock API-Key. Die Inferenzregion wird über das Inference Profile bestimmt – In-Region, geografisches Cross-Region oder global. Bedrock speichert weder Prompts noch Dateien, Tool-Ein- und -Ausgaben oder Modellantworten und nutzt sie nicht für Training.
  • Google Vertex AI in Frankfurt. Claude läuft als Modell auf Vertex AI in der EU. Die Region wird über den Endpunkt bestimmt, die Datenhaltung bleibt innerhalb der gewählten Geografie.
  • Eigenes API-Gateway von innFactory. Der Client zeigt nicht direkt auf den Hyperscaler, sondern auf ein zwischengeschaltetes Gateway. Das erlaubt zentrales Logging, Richtliniendurchsetzung, Modell-Routing und Egress-Kontrolle an einer Stelle.

In allen drei Fällen erbt das Setup die bestehenden Governance-Werkzeuge der jeweiligen Cloud: Netzwerkisolation über VPC-Endpunkte, Audit über CloudTrail, granulare Kostenzuordnung und optionale Telemetrie. Die Unternehmensdaten bleiben in kontrollierter EU-Infrastruktur, während die Mitarbeiter die volle Cowork- und Code-Erfahrung behalten.

Die Synergie mit CompanyGPT: Sie haben die Cloud-Basis bereits

Hier liegt der eigentliche Hebel. Wer CompanyGPT betreibt, hat genau das bereits aufgebaut, was Claude 3P voraussetzt: einen eigenen Azure-, AWS- oder Google-Cloud-Tenant, EU-Endpunkte für Claude, IAM-Rollen und Service Accounts, eine Kostenstellen-Logik und eine dokumentierte KI-Governance. Diese Basis müssen CompanyGPT-Kunden für Cowork und Code nicht neu schaffen – sie nutzen sie weiter.

Konkret heißt das: Für einzelne Nutzergruppen – etwa Engineering, Vertrieb oder Controlling – schalten Sie über dieselben Subscriptions und Cloud-Services zusätzlich Claude Cowork und Claude Code via Claude 3P frei und routen die Inferenz über Ihre eigene Azure-, AWS- oder Google-Cloud mit EU-Endpunkten. Die Authentifizierung läuft über dieselben IAM-Strukturen, die Kosten landen auf denselben Kostenstellen, und die EU-Datenresidenz ist über dieselben Regionen abgesichert wie bei CompanyGPT. So entsteht kein zweiter, unkontrollierter Tool-Pfad, sondern eine konsistente Erweiterung Ihrer bestehenden, souveränen KI-Landschaft.

Die beiden Ebenen ergänzen sich dabei sauber:

Cowork und Code über Claude 3P sind die Power-User-Ebene. Einzelne Mitarbeiter, die viel mit Dateien oder Code arbeiten, gewinnen mit den agentischen Desktop-Tabs spürbar Tempo. Sie sind nah am Betriebssystem, arbeiten auf lokalen Ordnern und Repositories und erledigen Aufgaben, die sonst manuelles Klicken erfordern.

CompanyGPT ist die governte Org-Ebene. Die Plattform läuft im eigenen Azure-Tenant des Unternehmens als dedizierte Kubernetes-Umgebung. Sie bietet zentrales Modell-Routing, Logging über companyDASHBOARD mit Token-Verbrauch pro Nutzer und Modell, Dokumentenerstellung über companyFILES, unternehmensweite Wissensanbindung über companyRAG sowie Automatisierung über MCP-Server und n8n. Was bei Cowork der einzelne Arbeitsplatz ist, ist bei CompanyGPT die auditierbare, für alle nutzbare Plattform.

Die folgende Gegenüberstellung macht die Rollenteilung deutlich:

DimensionClaude Cowork & Code (3P)CompanyGPT
Primärer NutzenEinzelplatz-Produktivität, agentische Datei- und Code-ArbeitGovernte, org-weite KI-Plattform
ReichweitePower-User am DesktopAlle Mitarbeiter, browserbasiert
DatenhaltungEU-Endpunkt über Claude 3P (MDM-Profil)Eigener Azure-Tenant, Daten verlassen ihn nie
Logging und KostenCloud-nativ (CloudTrail, Telemetrie)companyDASHBOARD pro Nutzer und Modell
DokumenteLokale Dateien im ZugriffsordnercompanyFILES erstellt Excel, Word, PowerPoint, PDF
WissensanbindungLokaler Ordner- und Repo-KontextcompanyRAG mit SharePoint-Integration
Modell-RoutingEin konfigurierter EndpunktZentrales Routing über OpenAI, Gemini, Claude, Llama

Die Kombination ist deshalb stark, weil beide Ebenen auf dieselbe Compliance-Logik und dieselbe Cloud-Basis einzahlen. Cowork und Code zeigen über Claude 3P auf einen souveränen Endpunkt, CompanyGPT hält die Daten ohnehin im eigenen Tenant. Es gibt keine zweite Tool-Landschaft mit unkontrolliertem Datenfluss, sondern ein durchgehend governtes Setup.

Ein konkretes Szenario aus dem Mittelstand

Ein Maschinenbauunternehmen mit 400 Mitarbeitern betreibt bereits CompanyGPT im eigenen Azure-Tenant. Kundenverträge und Exportkontrolle verlangen, dass personenbezogene Daten und technische Konstruktionsunterlagen die EU nicht verlassen.

Die IT will nun den rund 30 Power-Usern in Engineering, Vertrieb und Controlling zusätzlich die agentischen Desktop-Apps geben. Weil die Cloud-Basis durch CompanyGPT schon steht, ist der Aufwand gering: Über Intune wird ein MDM-Profil ausgerollt, das Claude Cowork und Claude Code via Claude 3P auf AWS Bedrock in einer EU-Region zeigt, authentifiziert über dieselben IAM-Strukturen wie CompanyGPT. Ein Konstrukteur lässt Cowork eine Stückliste aus mehreren Lieferanten-PDFs in eine konsolidierte Excel-Tabelle überführen, lokal, im Zugriffsordner; ein Entwickler nutzt den Code-Tab, um ein internes Tool zu refaktorieren – beides ohne dass Daten an einen Consumer-Endpunkt gehen.

Für die restlichen rund 370 Mitarbeiter läuft weiterhin CompanyGPT. Der Vertrieb erstellt Angebote über companyFILES, das Controlling fragt Kennzahlen über companyRAG aus SharePoint ab, und die Geschäftsführung sieht im companyDASHBOARD taggenau, welche Abteilung wie viele Tokens verbraucht. Beide Ebenen sind in der unternehmensweiten KI-Leitlinie nach EU AI Act dokumentiert.

Das Ergebnis: Power-User bekommen das schärfste verfügbare Werkzeug, der Rest der Organisation eine kontrollierte Plattform, und die Daten bleiben durchgehend in EU-Infrastruktur.

Warum Modellagnostik kein Luxus ist

Ein souveränes Setup ist nicht nur eine Datenschutzfrage, sondern eine Frage der Betriebssicherheit. Das hat der Juni 2026 deutlich gemacht. Am 12. Juni 2026 musste Anthropic auf eine behördliche Anweisung der US-Regierung hin Claude Fable 5 und Mythos 5 für alle Kunden weltweit abschalten, drei Tage nach dem Launch. Wer seine Prozesse auf eines dieser Modelle aufgebaut hatte, stand über Nacht ohne Lösung da.

Die Lehre ist nicht, Claude zu meiden. Im Gegenteil: Das aktuell stärkste verfügbare Claude-Modell ist Claude Opus 4.8, darunter folgen Sonnet 4.6 und Haiku 4.5. Die Lehre ist, sich nicht von einem einzigen Modell abhängig zu machen. Ein souveränes Gateway, über das sowohl Cowork und Code (per Claude 3P) als auch CompanyGPT routen, erlaubt es, im Ernstfall innerhalb von Minuten auf ein anderes verfügbares Modell umzuschalten. CompanyGPT ist von Grund auf modellagnostisch und bindet OpenAI, Google Gemini, Claude und Llama parallel an. Diese Flexibilität ist im aktuellen regulatorischen Umfeld kein Komfort, sondern Risikovorsorge.

Häufige Fragen

Was ist Claude 3P (Third Party)?

Claude 3P ist ein Betriebsmodus von Claude Desktop (den Tabs Cowork und Code), bei dem die gesamte Modell-Inferenz über einen von Ihnen konfigurierten Provider läuft: Google Cloud Vertex AI, Amazon Bedrock, Microsoft Foundry (Preview), ein eigenes Gateway oder die Anthropic-API direkt. Die Anfragen gehen vom Rechner des Nutzers direkt an den von Ihnen festgelegten regionalen Endpunkt – damit lässt sich die Datenresidenz auf EU-Regionen festlegen.

Kann ich Claude Cowork und Claude Code DSGVO-konform betreiben?

Ja, über Claude 3P. Per Geräteverwaltung (Intune, Jamf, Workspace ONE, Group Policy) wird ein MDM-Profil verteilt, das die Inferenz nicht über den Consumer-Endpunkt, sondern über einen souveränen Endpunkt routet: AWS Bedrock in EU-Regionen, Google Vertex AI in Frankfurt oder ein eigenes API-Gateway. Pro Standort lassen sich eigene Profile mit dem jeweils nächstgelegenen In-Region-Endpunkt ausrollen.

Wie hängen CompanyGPT und Claude 3P zusammen?

CompanyGPT-Kunden haben die Cloud-Basis bereits aufgebaut: eigener Azure-, AWS- oder Google-Cloud-Tenant, EU-Endpunkte, IAM, Governance und Kostenkontrolle. Genau diese Basis nutzen Sie für Claude 3P weiter, um Claude Cowork und Claude Code für einzelne Nutzergruppen über dieselbe souveräne Infrastruktur zu routen. Es entsteht kein zweiter, unkontrollierter Datenpfad.

Brauche ich dann überhaupt noch CompanyGPT?

Ja, die beiden lösen unterschiedliche Probleme. Cowork und Code über Claude 3P sind Einzelplatz-Produktivität für Power-User. CompanyGPT ist die governte, auditierbare Org-Plattform mit zentralem Modell-Routing, Logging über companyDASHBOARD, RAG, Dokumentenerstellung und Automatisierung. Erst zusammen ergeben sie ein durchgehend kontrolliertes Setup.

Warum ist ein modellagnostisches Setup wichtig?

Weil Modelle verschwinden können. Am 12. Juni 2026 musste Anthropic Claude Fable 5 und Mythos 5 auf behördliche Anweisung für alle Kunden abschalten. Wer auf ein einzelnes Modell festgelegt ist, steht dann ohne Lösung da. Ein souveränes, modellagnostisches Gateway erlaubt es, jederzeit auf ein anderes verfügbares Modell wie Claude Opus 4.8 umzuschalten.

Fazit

Cowork und Claude Code sind ein echter Produktivitätssprung, und sie schließen sich nicht mit Datenschutz aus. Der Schlüssel ist Claude 3P: Die App läuft am Arbeitsplatz, die Inferenz läuft über einen souveränen EU-Endpunkt. Für CompanyGPT-Kunden ist das die naheliegende Erweiterung, weil die Cloud-Basis bereits steht – einzelne Nutzergruppen bekommen so über dieselben Subscriptions und Services die agentischen Desktop-Apps, ohne Kompromisse bei DSGVO und EU AI Act.

innFactory richtet beide Ebenen ein: die MDM-Konfiguration für Cowork und Code per Claude 3P auf Bedrock, Vertex AI oder ein eigenes Gateway sowie CompanyGPT im eigenen Tenant. Wenn Sie wissen wollen, wie das in Ihrer Umgebung aussieht, sprechen Sie mit uns.

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Tobias Jonas ist Founder der innFactory AI Consulting GmbH und der innFactory GmbH, Microsoft Cloud Solution Provider und Google Cloud Partner. Er berät Unternehmen zur sicheren und souveränen Einführung von KI. LinkedIn-Profil

Tobias Jonas
Geschrieben von

Tobias Jonas

Co-CEO, M.Sc.

Tobias Jonas, M.Sc. ist Mitgründer und Co-CEO der innFactory AI Consulting GmbH. Er ist ein führender Innovator im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Als Co-Founder der innFactory GmbH hat er hunderte KI- und Cloud-Projekte erfolgreich geleitet und das Unternehmen als wichtigen Akteur im deutschen IT-Sektor etabliert. Dabei ist Tobias immer am Puls der Zeit: Er erkannte früh das Potenzial von KI Agenten und veranstaltete dazu eines der ersten Meetups in Deutschland. Zudem wies er bereits im ersten Monat nach Veröffentlichung auf das MCP Protokoll hin und informierte seine Follower am Gründungstag über die Agentic AI Foundation. Neben seinen Geschäftsführerrollen engagiert sich Tobias Jonas in verschiedenen Fach- und Wirtschaftsverbänden, darunter der KI Bundesverband und der Digitalausschuss der IHK München und Oberbayern, und leitet praxisorientierte KI- und Cloudprojekte an der Technischen Hochschule Rosenheim. Als Keynote Speaker teilt er seine Expertise zu KI und vermittelt komplexe technologische Konzepte verständlich.

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